Archiv der Kategorie: Allgemein

Verleihung der Karl Max von Bauernfeind-Medaille an fatum

fatum ist 2016 von der TU München mit der Karl Max von Bauernfeind-Medaille ausgezeichnet worden. Nachfolgend die Laudatio von Prof. Dr. Ing. Gerhard Müller, Vizepräsident der TUM für Studium und Lehre, und ein paar Eindrücke von der Verleihung.


Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann, Patrick Georg, Samuel Pędziwiatr

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann, Patrick Georg und Samuel Pędziwiatr bei der Verleihung.
Foto: Andreas Heddergott/TUM

fatum ist das Magazin unserer Studierenden des Masterstudiengangs Wissenschafts- und Technikphilosophie. fatum veröffentlicht zweimal im Jahr Artikel, literarische Exkurse und philosophische Essays zu Naturwissenschaft, Technik und Gesellschaft. Dieser selbstgesetzte Anspruch unserer Studierenden auf intellektuellem Spitzenniveau ist aktueller Meilenstein auf dem Weg unserer Universität, den technikgetriebenen Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft zu erkennen, zu erforschen, zu erklären und mitzugestalten.

Philosophie tritt nicht nur als „nach“-denkende Disziplin auf, sondern sie Vermittelt auch als „Vordenkerin“ zwischen den einzelnen Wissenschaften und trägt dazu bei, Zusammenhänge über Fachgrenzen hinweg aufzudecken. Hier präsentiert das Magazin fatum eine Vielzahl philosophischer Perspektiven auf aktuelle forschungsrelevante Entwicklungen in Technik und Gesellschaft.

Blick in den Saal des Gala-Dinners anlässlich der Verleihung.

Foto: Andreas Heddergott/TUM

Samuel Pędziwiatr, der als Gründer und Chefredakteur die Initiative ergiff, und Patrick Georg, der heute das Redaktionsteam mit 14 Redakteuren leitet, haben seit 2014 vier Magazine veröffentlicht, das fünfte ist in Arbeit. Über 70 Autoren schreiben für fatum. Aus anfänglich 500 Exemplaren ist heute eine Auflage von über 1500 entstanden, mit Verbreitung und Lesern in ganz Mitteleuropa sowie in den USA und Brasilien. Entstanden ist ein wunderbares, lesenswertes und kurzweiliges Magazin, das sich um Fragen wie „Künstliche Kreativität“, „Intelligenz der Tiere“ oder „Planen versus Machen“ dreht. Eindrucksvoll belegen damit unsere Studierenden, wie sich der Blick auf Wissenschaft und Technik verändert, und warum die Geistes- und Sozialwissenschaften aus der TUM nicht mehr wegzudenken sind.

In Würdigung ihres publizistisch überzeugenden Einsatzes für die Wissenschafts- und Technikphilosophie an der TU München Verleihen wir Samuel Pędziwiatr und Patrick Georg, stellvertretend fur fatum Redaktion, die Karl Max von Bauernfeind-Medaille.

Transparenz oder: Warum das Leben auf dem Land anstrengender ist…

Gedanken zu Andre Kieserlings Kolumne über Goffmans „Wir alle spielen Theater“ (lesenswertes Buch!) in der FAS:

http://www.faz.net/…/soziale-systeme-die-glaeserne-welt-134…

Goffmann beschreibt in „Wir alle spielen Theater“ die unterschiedlichen Rollen, in die wir im alltäglichen Umgang miteinander schlüpfen. Er beschreibt, wie Masken, Hinter-&vor-der-Bühne, Publikum und andere Schauspieler dazu führen, die Rollen aufrecht zu halten. Die soziologische Rollentheorie geht davon aus, dass eine Person unterschiedliche Rollen umfasst, die nicht gleichzeitig in Erscheinung treten. Man ist z.B. im Philosophieseminar, als Kellner bei Kunden, als Kellner in der Küche, als Philosoph am Tresen, etc. – und jeweils verhält man sich anders.

Die Kolumne beschreibt, wie es auf dem Land schwerer ist, einzelne Rollen ungestört zu spielen, wenn das Umfeld einen auch aus anderen Kontexten kennt. Es fällt schwerer, billige Geschenke zu schenken, sich durchzuschnorren oder zu feilschen, wenn man sich wo anders vermögend gezeigt hat. Und es fällt schwerer im Wirtshaus den Erfolgreichen zu spielen, wenn das Umfeld die Misserfolge und Probleme kennt.

Meine Anschließenden Gedanken: Bei den aktuellen Privacy-Diskussionen zu Social Media müssten die Städter und Ländler theoretisch andere Erfahrungen und Ansichten mitbringen.

  • Sehen Städter ihre eigene Privatsphäre weniger eng, weil sie die Probleme nicht kennen?
  • Oder stellt sich für die Ländler die Frage nicht, weil es selbstverständlich ist und das „Global Village“ sie heimischer fühlen lässt?
  • Legt man als Ländler dann auch mehr Wert darauf Personen „mehrdimensional“ kennenzulernen? Also nicht nur in dem notwendigen Kontext, sondern auch über Hobbies, Herkunft, Einstellung,..

Weitere allgemeine Fragen:

  • Legen Ländler, die in die Stadt ziehen, mehr Wert auf eine konsistente Persönlichkeit, als Menschen die in der Stadt groß werden?
  • Daran anschließend: Moraltheorien, wie von MacIntyre, basieren auf dem Erzählen konsistenter Geschichten vom Selbst unter der Annahme, dass nur dann eine Orientierung in der Zukunft möglich ist. Das lehrt auch Michael Endes Momo bei „Zuhören wie Momo“. Sind Leute vom Land moralischer, als Leute aus der Stadt?
  • Führt Transparenz zu moralischem Verhalten – wenn ja: nach welchen Tugenden & Werten?

…hätte ja Lust die Frage weiter zu verfolgen. Was denkt ihr dazu?

(von Max)

Trivialität der Alltäglichkeit

Im Rahmen der Seminarreihe „Literatur und Ökonomie“ findet ein öffentlicher Abendvortrag statt: Ernst Osterkamp (Berlin) wird am Donnerstag, den 11. Dezember, an der LMU München zum Thema „Trivialität der Alltäglichkeit. Industrie und Ökonomie im Zeitroman des 19. Jahrhunderts“ sprechen (Details siehe Anlage). Professor Osterkamp gehört zu den profiliertesten Geisteswissenschaftlern der Republik. Aus philosophischer Sicht finde ich besonders interessant, wie kognitives Wissen durch Narrative eine weitere Bedeutungsdimension erhält.

Prof. Dr. Ernst Osterkamp (Humboldt-Universität Berlin)
„Trivialität der Alltäglichkeit. Industrie und Ökonomie im Zeitroman des 19. Jahrhunderts“
Donnerstag, 11. Dezember 2014, 18:00 c.t.
Hauptgebäude der LMU, Hörsaal HS M010
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München

Genauere Informationen zu Vortrag und Referent finden Sie bitte unter folgendem Link: http://www.michael-horvath.de/fileadmin/Flyer_Osterkamp_LMU.pdf

Vorträge: Big Data

Technik und Ethik

Montag, 17. November 2014, 18:30 Uhr
Big Data – Vom Cybercrime zum Cyberwar

Prof. Dr. Dr. Bernhard Irrgang, Lehrstuhl für Technikphilosophie, Technische Universität Dresden

Montag, 24. November 2014, 18:30 Uhr
Big Data – Innovation at Google

Dr. Wieland Holfelder, Leiter des Google Entwicklungszentrums in München

Ort: Hörsaal 2.300 (Friedrich von Thiersch Hörsaal; Eingang: gegenüber Gabelsbergerstr. 47), TU München Stammgelände, Arcisstr. 21

https://www.mcts.tum.de/cvl-a/vortragsreihen/technik-und-ethik/

Fleischersatz und Genmais!?

2. Science Cafe im Oktober 2014

Wovon werden wir uns in Zukunft ernähren? Wie wird der Klimawandel die Landwirtschaft verändern? Wird sich das Konsumverhalten ändern? Geht der Trend zum Vegetarier?

Die studentische Initiative „Auf Augenhöhe“ lädt ein zum zweiten Science Café mit dem Thema „Die Zukunft unserer Lebensmittel“. Vier Referenten werden kurz und knackig von ihren verschiedenen Erfahrungen aus der Lebensmittelindustrie und Forschung berichten und anschließend bei geselliger Atmosphäre mit allen Interessierten in Kleingruppen über die Zukunft der Lebensmittel diskutieren.

Mit dabei sind diesmal Karl von Koerber (Ökotrophologe), Florian Wild (Lebensmitteltechnologe), Andrea Fuß (Leiterin der Landfrauenabteilung in München) und Martin Höher (Landwirt). Jeder ist willkommen, seine Ideen und Argumente einzubringen und die Referenten auszufragen.

Das Philosophische Gedicht

Wittgenstein sprach einst zu Russell:
“Jetzt mal Schluss mit dem Gequassel!
Hier in diesem Raumambiente
ist doch eine Hasenente!”

Russell sprach zu Wittgenstein:
“Lass mal diesen Unsinn sein!
Hier im Raum, hinter der Vase,
steht doch wohl ein Horn mit Nase!”

Da sprach Quine zu allen zween:
“Keins von beiden kann ich sehn!
Mir scheint, hier im Raume sei
nur ein kleiner Gavagai!”

Zu den drein ein Löwe sprach:
“Meine Herren, denkt mal nach!
Wenn zu euch ein Löwe spricht,
ist im Raum ein Löwe, nicht?”

Keiner konnte das verstehn.
Auch egal. Auf Wiedersehn.
( http://derblindehund.wordpress.com/2011/09/01/das-philosophische-gedicht/ )koetter

„Internet und Demokratie“

Heute! 18-21 Uhr – Podiumsdiskussion in der bayerischen Akademie der Wissenschaften

„Führt die leichtere Verfügbarkeit von Wissen und Information durch das Internet zu besser informierten Bürgern? Wie gelingt politische Partizipation durch Neue Medien? Dies sind Fragen, denen acatech und Bayerische Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion nachgehen.“

http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/de/Terminkalender/Internet_Demokratie_final_web.pdf

Außerdem heute 12:45 Uhr: We Frack Munich: https://www.facebook.com/events/1415937272022951/

23.06.: Technik & Ethik: „… dass alle Welt geschätzt würde – Zur Kulturgeschichte von Big Data“

„Big Data – die neue Weltordnung?“ Mit dieses Frage befasst sich die Vortragsreihe „Technik und Ethik“ im Sommersemester schwerpunktmäßig.

Montag, 23. Juni 2014, 18:15 Uhr spricht Prof. Dr. Jochen Koubek
(Professor für Digitale Medien an der Universität Bayreuth, Sprecher des Fachbereichs „Informatik und Gesellschaft“ der GI) zum Thema
… dass alle Welt geschätzt würde – Zur Kulturgeschichte von Big Data

Die Veranstaltung beginnt um 18:15 Uhr in Hörsaal 1.260 (Eingang: gegenüber Gabelsbergerstr. 47), TU München Stammgelände, Arcisstr. 21.

Weitere Infos hier

16.06.: Technik & Ethik: Judith Simon „Big Data, big questions?“

„Big Data – die neue Weltordnung?“ Mit dieses Frage befasst sich die Vortragsreihe „Technik und Ethik“ im Sommersemester schwerpunktmäßig.

Am Montag, den 16. Juni 2014, spricht Prof. Dr. Judith Simon (Associate Professor for Philosophy of Science and Technology, IT University Copenhagen) über

„Big Data, big questions? Ein philosophischer Blick auf die Datengesellschaft“.

Die Veranstaltung beginnt um 18:15 Uhr in Hörsaal 1.260 (Eingang: gegenüber Gabelsbergerstr. 47), TU München Stammgelände, Arcisstr. 21.

Weitere Infos hier

12.06. – TU Science Slam

Am 12.06.2014 findet an der TU München (Arcisstraße) der erste Science Slam statt und wir schicken auch einen Vertreter! – Kommt also reichlich und habt Spaß, der Eintritt ist frei!

Im Wettbewerb treten an:

– Stefan Merkle (Gr. / lat. Philologie) – Plantos Atlantis und die Folgen
– Max Roßmann (Technikphilosophie) – Beteiligung am Trassenkampf
– Georg Wechselberger (Mathematik) – der Schnellste Weg zum Freibier
– Daniel Sproll (Kognitionswissenschaften) – Sonnenbrillen für Cyborgs

Der Eintritt ist frei und für Getränke ist gesorgt.
Macht fleißig Werbung und lasst euch den Spaß nicht entgehen!!Science Slam
Raum: 2300 – Friedrich von Thiersch Hörsaal
12.06.2014 – Einlass: 19:30, Beginn: 20:00 Uhr

Veranstalter: Manu Brackmann / Asta

Maschinenbau & Composite-Kiel-Schwerter

Seit dem WS 13/14 haben wir eine eigene Vortragsreihe: Wir berichten über Theorien, Methoden und Praxis aus unseren Ur-Disziplinen / aus dem alten Leben. Interdisziplinarität ist fruchtbar und von der Vielfalt der Wissenschaften können nicht nur Soziologen berichten, denn wer könnte das besser als wir? Häufig liegt es uns gerade schon auf der Zunge endlich von Forschungspraktika oder der Bachelorarbeit zu erzählen. Spannend sind vor allem die eigenen Zweifel oder Probleme, die zu den Grenzen des Gebiets führen.

Den Anfang in diesem Semester macht Paul Zasche mit einem Thema aus dem Maschinenbau „Faserverbundwerkstoffe: Auslegung eines Composite-Kielschwerts“. Ok- für Segelschiffe, kein Schwertkampf… Beginn ist aber  wie im letzten Semester um 19 Uhr in Raum 1.221. Im Anschluss machen wir unsren Stammtisch in der Frida. Mögen die Kämpfe beginnen!

http://techphil.de/beispiel-seite/vortragsreihe-stammtisch/

Die Eierköpfe in den Elfenbeintürmen

Wenn man im Internet einen Beitrag kommentiert, oder in ein Forum schreibt, wird man häufig darum gebten, aber:  Warum sollte man ein Foto hochladen? Schadet das nicht der Sachlichkeit,  wenn ich den Gehalt der Aussage einer Person zurechne?  Oft denkt man hingegen nur: „Ah nee.. der schon wieder…“

Ein ähnliches Phänomen gibt es nämlich auch mit Namen im Bezug auf Reputation in der Wissenschaft und Prominenz in der Öffentlichkeit. Auch in der Wissenschaft werden Aufmerksamkeit und Deutungshoheit über Namen kanalisiert: Wer sich noch keinen Namen gemacht hat, wird ignoriert, wer sich durch Plagiate oder Unwissenschaftlichkeit einen Namen gemacht hat ebenso. Peer-Review und theoretische Schulen sind die objektivierte Währung dieser subjektiven Erwartungshaltung. Ein wissenschaftstheoretischer Falsifikationismus ist logisch und empirisch nicht haltbar , wie erst kürzlich in einem Beitrag erwähnt wurde .  Schließlich sind das Zurechnen auf Personen und Vertrauen auch eine Form der Komplexitätsreduktion, da so nicht mehr die ganze Geschichte erzählt werden muss. Auch Ähnlichkeit hilft Personen einer Richtung zuzurechnen und bestimmte Prüfungen zu übergehen. Die Konstruktion und Verteilung von Glaubwürdigkeit wird so auf das Soziale übertragen, so dass einzelne Forscher entlastet sind. Dennoch schadet es vermutlich nie, die Zurechnungen in kritischen Fällen zu reflektieren.

superWissenschaft

Die Bedeutung von Fotos wächst auch in der Wissenschaft durch die zunehmende Medialisierung: Wer im öffentlichen Diskurs durch die Massenmedien eine hohe Aufmerksamkeit hat, kann in der Wissenschaft nicht ignoriert werden, da diese in Organisationen letztlich auf Geld und Personal, sowie als Institution von Legitimation (Selbstbestimmung / Sonderregeln) abhängig ist. Personalität und Fotos haben in den Massenmedien oberste Priorität, so dass dieses Selektionkriterium quer steht zur distanzierten Sachlichkeit der Wissenschaft. Bei politischen Entscheidungen und der Wahrnehmung einer breiten Öffentlichkeit konkurrieren genau an dem genannten Streitpunkt die Wissenschaft und die Massenmedien um die Deutungshoheit. Schließlich gibt es empirische Belege durch mediengeförderte Gründungen fragwürdiger Forschungszentren (kalte Fusion, human Brain Projekt), sowie wissenschaftlich fragwürdige, jedoch prominente Experten (Richard David Precht, Werner Sinn, Daniel Goldhagen, Thilo Sarrazin). Manchen Wissenschaftlern ergeht es bei Bildern dieser Typen genau wie mir bei einigen News-Kommentatoren und Facebook-Beiträgen: „Ach nee… Der schon wieder!“ :).

Wie man die  „die Eierköpfe in den Elfenbeintürmen sexy“ macht, erklärt hier eine Gruppe Wissenschaftsjournalisten selbst :

„Ach, die sind schon ziemlich sexy, man muss nur richtig hinsehen und eben nicht mit dem Eierkopf-Klischee anmarschieren. Im Prinzip sehen wir keinen Unterschied zwischen Wissenschaftlern, Startup-Gründern und Rockstars: Alle drei arbeiten sich die Finger blutig für eine Idee, an die sie glauben, und nehmen für diese Leidenschaft ziemlich viel in Kauf.“ 
http://scienceblogs.de/sic/2014/03/21/wissenschaftsjournalismus-reloaded/

Interesse geweckt? Näheres dazu, Kritik und Wünsche in den Seminaren zur Wissenschaftssoziologie und Massenmedien – Wir brauchen noch mehr interessierte Teilnehmer!

Liebe Grüße,
Max

Das Anreizsystem von Facebook

… weil Paul ja extra nachgefragt hat, ob das Facebook-Anreizsystem noch weiter geht als bis 25 Likes: Mit dem 25. Like konnten wir nun www.facebook.com/TechPhil sichern, ab dem 30. Like gibt es eine Nutzerstatistik . Vielleiecht schaffen wir das ja! Eigentlich brauchen wir es ja nicht, aber man kann es haben, wenn man sich nur ein bisschen mehr anstrengt. Ist das Grund genug etwas haben zu wollen? Oder suggeriert man uns mit kognitiver Dissonanz wieder nur irgendwelche Wünsche, so dass wir mehr Zeit mit Facebook verbringen und deren Marktwert und Werbeeinnahmen steigen?

techphilFaceBook

… Wer erbarmt sich jetzt endlich die Seite zu liken?!
(Max)

Popper & Kuhn: Wissenschaftstheorie für Ökonomen

In der 1. Stunde der VWL Vorlesung an der TUM wird Kraft des heiligen Poppers stolz auf die Wissenschaftlichkeit der Ökonomie hingewiesen. Als Schutzpatron soll er das Überleben der klassischen Theorie freier Märkte legitimieren. Der Gegenpart von Kuhn, Lakatos und Feyerabend wird dahingegen in der Ökonomie ignoriert – obwohl diese auf die Mängel des Falsifikationismus hinweisen. Feyerabend betont vor allem die Grenzen der Wissenschaft. Wissenschaft kann nur konditionale Aussagen treffen, also bei angenommenen Randbedingungen geeignete Mittel zum Zweck bestimmen. Sowohl Randbedingungen, als auch der Zweck und selbst die Methode rationaler Begründung müssen dazu aber von den Betroffenen frei gewählt werden, folgt man Feyerabends Vorstellung einer freien Gesellschaft.

So sehr das nun mach studierten Ökonomen schmerzt: Ein Mehrwert des Liberalismus lässt sich nicht aus einer wissenschaftlichen Theorie ableiten.

„der heilige Popper“ in: Feyerabend 1994, Zeitverschwendung, S. 150

Ein netter Artikel auf faz.net über diese Grundzüge der Wissenschaftstheorie gab mir den Anlass kurz ein paar Zeilen zu meiner VWL-Erfahrungen zu schreiben. Die Folgerung des Autors im Artikel scheint mir aber weiterhin nicht so aus den getroffenen Annahmen ableitbar.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mayers-weltwirtschaft/mayers-weltwirtschaft-weniger-staat-12902290.html

(Max)

Buntes Klosterseminar

gruppe

Zu Semesterbeginn ein Wochenende, das am Sonntag beginnt, ist was feines.  Besonders schön ist es, wenn alles so harmonisch ist, alle viel lachen und wilde Sachen  machen. Die Masterstudenten WT-Phil aus sämtlichen Jahrgängen veranstalteten mit viel Freude und Engagement vom 06.04 bis zum 09.04 am Kloster Benediktbeuren erfolgreich ihr 1. Seminarwochenende.

Wir wurden dabei bestens begleitet und geleitet von Simone, Fred und Wolfgang, die einiges mehr drauf haben, als „Dienst nach Vorschrift“. Was nach außen manchmal chaotisch aussah, war wohl strukturiert und allgemein großartig. Wir sind ein sympathisches und ambitioniertes Team, da waren sich alle einig. Konfliktpunkte gab es wenig, Spaß hatten wir trotzdem eine Menge und dabei viel gelernt.

Angefangen hat alles mit zwanglosem Kuchenessen. Die Auswahl war großartig! Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Bäckertalente! Und dann ging es auch schon los: Andreas Belwe berichtete aus seinem Arbeitsleben als philosophischer Berater und wie es dazu kam. Der Einblick in seinen Karriereweg war für viele erkenntnisbringend für andere wenig beeindruckend. Viele haben sich die Arbeit eines Philosophen anspruchsvoller vorgestellt. Der Einblick in die philosophische Beratung von Andreas Belwe provoziert und trifft auf harte Kritik. Steckt da wirklich nicht mehr dahinter? Zu welcher Generation gehören wir? Warum ist der einzige unter uns, der ständig mit seinem SmartPhone spielt, unser ältester Mitstudent aus der Generation Babyboom und nicht einer aus Generation X oder Y? Stereotypen können wir nicht bedienen und wollen wir auch nicht. Wir wehren uns dagegen, in Schubladen gesteckt zu werden. Wir wollen einzigartig sein und sind es auch.

Trotzdem haben wir uns dann später selbst unsere Schubladen gesucht. Bettina Hafner hat uns gezeigt, wie Firmen das machen und welche verschiedenen Grundzüge unseren Charakteren unterstellt werden. Manche brauchen mehr Nähe, andere die Distanz. Die einen lieben den ständigen Wechsel und ein paar von uns lieben Ordnung und Struktur. Sich da einzuordnen ist nicht einfach und manche würden am liebsten zwischen all den Richtungen wild hin und her springen oder in der Luft schweben. Da will sich nicht jeder einordnen. Das Mittagessen lässt zu wünschen übrig, trotzdem hält die gute Laune, wir haben in Arbeitsgruppen Flugobjekte gebastelt um Eier aus dem Fenster zu werfen ohne sie kaputt zu machen. Der Mehrheit gelang das auch ganz gut. Wir wurden nicht müde und gaben Abends noch unsere spontane Kreativität bei der Powerpoint–Karaoke zum Besten! Von One-Night-Stands, Hörsturz und Dummheit. Für kein Thema waren wir uns zu Schade. Gelacht wurde viel.

Weiterlachen und mit Wissen glänzen konnten alle am nächsten Tag bei der Schnitzeljagd, die durchaus auch philosophisch war. Sackgassen  und Aktivurlaub, Biererkenntnis, wichtige Philosophen und verwirrende Quizfragen  konnten keinen von uns schocken. Diogenes und Quizgurus. Am Abend wurde laminiert und strukturiert auf die Tische geklopft. Da geraten die Gefühle schon einmal in Wallung.  Der Blick aufs Ganze glänzte in Plakatgröße. Wild wurden Verknüpfungen zwischen Modulen, Philosophen und Dozenten gespannt. seminar Die Tage in Benediktbeuern waren absolut ein großer Erfolg. Wir haben Neues gelernt und uns dabei pudelwohl gefühlt. Es gab Sonne und Regen, Lachen und kaum Tränen. Viel Kreativität, verrückte Ideen und großartig viel Engagement. (geschrieben von Lisa)

„Reality is what hits you when you’re wrong“ – Big Data

Die Information-Security Forscherin Jennifer Stoll bereicherte heute unser Kolloquium mit einem spannenden Vortrag zur Frage „How does the structure of visual information help frame a correct understanding of information?“.

Anhand von den drei Beispielen Epidemie, IT-Sicherheit und Terrorismus zeigte sie den Einfluss der Darstellung von Daten auf die interpretierte Geschichte. Die Ergebnisse der Teams aus dem Vast 2011 Contest wurden dabei verglichen. Große Erfolge zeigten sich bei den Gruppen, die viele verschiedene Dimensionen korrelierten und vereinfacht in holistischen und untergeordneten Graphen darstellten. Die gleichen Daten führten zu unterschiedlichen Ergebnissen, so dass die Diskussion schnell philosophischen Gehalt bekam: Woher kommt die Bedeutung der Begriffe? Reicht es auf der Symbolebene zu korrelieren, um verstehbare Muster darzustellen? Wie weit kann das Verfahren automatisiert werden und wo (bei welcher Dimensionalität) sind die Leistungsgrenzen von Mensch und Maschine? Die klassischen Fragen der Erkenntnistheorie treffen so auf aktuelle Forschung der Statistik und Informatik – Ein spannendes Arbeitsgebiet für Technik- und Wissenschaftsphilosophen.

Der Vortrag endete mit den Worten „reality is what hits when you’re wrong“

Weitere spannende Vortäge zum Thema Big Data folgen in der Vortragsreihe des MCTS.
Zum Vertiefen gibt es dieses Semester am MCTS die Seminare „Big Data – Big Impact?“ und „Wissenschaftstheorie des Experiments“.

Big Data MCTS

Technikkommunikation: Biotechnologie

Für alle Gentechniker, Biotechnologen, Chemie-Ingenieure und Maschinenbauer, die sich fragen, warum ihre Arbeit oft so abgelehnt wird.
Für alle die sich fragen, was Technikphilosophen (unter anderem) so machen.

Wir haben uns im Workshop zur Technikkommunikation (24.-28. März 2014 im deutschen Museum mit Acatech und Wissenschaft im Dialog) vertieft mit dem Verhältnis von Ingenieuren, Wissenschaftlern, Journalisten und „Öffentlichkeit“ befasst. Gesammelt von Acatech gibt es hier kostenlos recht interessante Perspektiven.

Lesenswert finde ich vor allem die kurzen Artikel von:

– Ortwin Renn –> „Wissen & Moral“ – Warum Großtechnologie (AKW, Chemie-Industrie, Kraftwerke, Infrastruktur) trotz Risikoanalysen häufig abgelehnt wird (historisch).
– Bernhard Gill –> Warum selbst industrielle Landwirte grüne Gentechnik ablehnen
– Van Den Daele –> Warum Technikphilosophie & Kommunikation wichtig sind, aber Grenzen haben.

Die Artikel sind einfach geschrieben und an oben genannte Ingenieure und Wissenschaftler gerichtet. Sie bieten damit und über das Quellenverzeichnis eine gute Einführung in aktuelle Technikkommiunikation & Technikphilosophie. Das Buch ist kostenlos verfügbar:

http://www.acatech.de/de/publikationen/berichte-und-dokumentationen/acatech/detail/artikel/acatech-diskussion-biotechnologie-kommunikation-kontroversen-analysen-aktivitaeten.html